Russische Hochzeit in Deutschland - Swadba - Die Geschichte

Also, liebe Freunde, wie Sie vielleicht schon erraten haben, erzählt dieser Seite ein wenig über die Geschichte der russischen Hochzeit in Deutschland.

Die Hochzeit auf russische Art kam nach Deutschland Mitte der 80-er mit dem Zustrom von Immigranten aus der Sowjetunion, hauptsächlich aus Kasachstan und Sibirien, wo die Mehrheit der ethnischen Deutschen in der Sowjetunion gelebt hat. Das Prinzip der europäischen Hochzeit widersprach vielen Vorstellungen der Neuankömmlinge über einen Fest. Details über die Unterschiede der europäischen und russischen Hochzeit, können Sie hier lesen.

Um ganz genau zu sein, sollte die russische Hochzeit in Deutschland nicht als russisch-deutsche, sondern als sowjetisch-deutsche bezeichnet werden. Die Art der Familienfeier ist eigentlich ein Produkt der Sowjet-Ära mit der für sie typischen Mischung aus Kulturen aller lebenden in der UdSSR Völker. Der Tamada (der Moderator) wurde aus der georgischen Hochzeits-Tradition übernommen. Aus der Ukraine kam die Tradition das Brautpaar mit Brot und Salz zu begrüßen. Die Russland-Deutsche gaben der russischen Hochzeit das schöne Ritual mit dem Brautschleier.

In der Sowjetzeit gab es jedoch viele unterschiedliche Hochzeitsarten: die städtische, die Bauerhochzeit, die deutsche, die jüdische, kasachisch, kaukasische, usbekische, zigeunerischeusw. Die am weitesten verbreiteten Arten waren die städtische und die Bauerhochzeit.

Die Hochzeiten in den Sowjetischen Großstädten.

In der Sowjetunion wurde die Ehe oft schon im frühem Alter (mit 18-22 Jahren)geschlossen, deswegen lag die Organisation der Hochzeiten oft auf den Schultern der Eltern des Brautpaares. Die meisten Familien hatten nur eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten und mussten die Hochzeiten entsprechend gestalten. Die heutige Vielfalt an den Hochzeitswaren und Dienstleistungen gab es nicht, eine schöne romantische Hochzeit konnte man höchstens im Kino erleben. Ein Standart-Brautkleid kaufte die Braut in einem der wenigen (wenn nicht im einzigen)Brautsalon der Stadt oder nähte es selbst mit der Hilfe von Freundinnen oder bekannten Schneiderinnen. Der Bräutigam trug einen zur Verfügung stehenden Anzug mit einem weißen Hemd und die Krawatte. Als Fortbewegungsmittel diente ein Taxi oder ein Auto einer der Gäste. Die Tradition von Braut-Freikauf (Wykup) wurde nicht praktiziert, wenn dann nur in den Familien mit bäuerlichen Wurzeln. Die Registration im Standesamt war Pflicht, was in der Sowjetunion die Kirchliche Trauung ersetzte. Die wenigen Fotos hat der Fotograf vom gleichen Brautsalon gemacht. Eine typisch sowjetische Erfindung war die Niederlegung der Blumen am Denkmal des „Ewiges Feuers“ oder einem anderem. Das Hochzeitsfest selbst fand in einem Restaurant (in den Familien, die es sich leisten konnten) oder Cafeteria statt. Die ärmeren Familien mussten die Gäste in die eigene Wohnung eingeladen. Das Bankett begann am Abend, weil die Hochzeiten nicht nur an Samstagen, sondern auch an Wochentagen veranstalten wurden. Das Essen wurde in mehreren Durchgängen serviert: zuerst die kalte Vorspeisen, dann mehrere Arten von Hauptgerichten und schließlich - die Hochzeitstorte. Das Essen in Büfett-Form war nicht bekannt. Zwischen den Essensgängen konnte man tanzen - in einem Restaurant spielte die restauranteigene Gruppe, sonst spielte man die Schalplatten oder Musik von Band. Meistens ist die Feier durch einen Tamada begleitet worden, der die Hochzeitsreden selbst hielt, verteilte die Reden von den Verwandten und Gästen, erzählte Witze und Anekdoten. Selbstverständlich ist das Ganze mit dem reichlichen Konsum von Alkohol, meist Wodka (genauso wie heute) begleitet worden. Manchmal gab es Schlägereien. Das Hochzeitsreden zu halten war für alle erwachsenen Gäste Pflicht. Hochzeitsspiele waren selten. Manchmal wurde die Braut gestohlen und wieder freigekauft. Ab 23-24 Uhr klang die Feier allmählich ab, schließlich mussten die meisten Gäste am nächsten Tag wieder arbeiten.

Die herrschende Klasse (die kommunistische Nomenklatur) und die wenige wohlhabende Leute konnten es sich mehr leisten. Unter "mehr" verstand man die Feier in einem großen Restaurant, die Delikatessen, wie Salami und Kaviar, und teure Drinks.

In den ländlichen Gebieten, hat man anders die Hochzeiten gefeiert.

Die Bauern bewahrten für ihre Region typischen volkstümlichen Hochzeitsbräuche und Traditionen. Dazu gehören die Freite (Swatowstwo), Begrüßung mit Brot und Salz, die Schuhentführung, Schleierabnahme und so weiter. Viele dörfliche Traditionen haben eine eigenartige, grobe Art von Humor mit dem Zweck das Brautpaar und ihre Trauzeugen zu „testen“. Die Organisation war oft halb spontan, verursacht durch den übermäßigen Konsum von alkoholischen Getränken wie Samogon (der selbstgebrannte Schnapps). Nach der Registrierung im Dorfrat luden die Eltern des Brautpaares die Hochzeitsgäste in die eigene Hauswirtschaft. Die Tische wurden direkt auf dem Hof gedeckt. Ein Tamada hat eine Hochzeit auf dem Dorf nicht begleiten. Besonders reiche Familien konnten sich ein Musikensemble aus der Stadt leisten. Einige kurze Hochzeitsreden gab es höchsten am Anfang des Festes. Ab und zu wurden von den Gästen grobe Spiele veranstalten. Die Hochzeit dauerte meistens einige Tage. Die Schlägereien auf den Hochzeiten waren keine Seltenheit.

Und nun, kommt eine bunte Masse der Menschen, die sich an die sowjetisch-russische Art des Feierns gewönnt hat, nach Deutschland.

Die Deutsche feiern die Hochzeiten ganz anders. Zurückhaltend, trinken wenig Alkohol, die Hochzeitsreden werden fast unterlassen, das Essen dauert viel länger, mit Tanzen geht es erst spät los, das Essen ist ungewöhnlich. Kurz gesagt: kein Fest für die russische Seele. Seit Mitte der 90-er, als die Kinder der Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR erwachsen wurden, entsteht eine bedeutende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen spezifisch für die russische Hochzeit. Am Zusammenfluss von drei verschiedenen Hochzeit-Kulturen - der sowjetisch-urbanen, der russisch-dörflichen und der deutschen entsteht eine völlig neue Art des Feierns - die Russische Hochzeit in Deutschland.